Nachruf auf Hans Schmitz

Der Wuppertaler Anarcho-Syndikalist und
Widerstandskämpfer Hans Schmitz ist am 22.3.2007 im Alter von 92 Jahren gestorben.

Wir haben seinen 90.Geburtstag noch gemeinsam vor drei Jahren in der Begegnungsstätte Alte Synagoge feiern
können. In der letzten Zeit ging es ihm zunehmend gesundheitlich schlechter.

Hans stammte aus einer anarchistisch geprägten Familie, lebte bis 1945 u.a am Osterbaum/ Platz der Republik in Wuppertal. Sein Vater war leidenschaftlicher Streikanführer und Betriebstivist bei der Firma Jäger,
Agitator bei Erwerbslosenaktionen und innerhalb der FAUD.

Hans Schmitz schloss sich früh der anarchistischen Jugend SAJD und der FAUD in Wuppertal an und organisierte sich in der kleinen, aber wirkungsvollen antifaschistischen Schwarzen Schar.
Er war als Kind schon in der anarchistischen Kindergruppe und als „Dissidentenkind“ ging er in die (religions) freie Schule. Hans Schmitz arbeitete als Dreher und war in der FAUD gewerkschaftlich organisiert, gleichzeitig war er in vielen proletarischen Kulturorganisationen engagiert, mit der anarchistischen Jugend führte er ein Theaterstück zu Sacco und Vanzetti auf, er war aktiv in der Freidenkerbewegung, in der Frei-Körper-Kultur und in der Sexualreformbewegung.

Hans war nach der Machtübertragung an die Faschisten an den illegalen Aktivitäten der FAUD, besonders an der Solidaritätsarbeit mit Spanien beteiligt und wurde 1937 von der Gestapo verhaftet und zu 2 Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt.
Wieder in Freiheit schloss er sich einer Edelweißpiraten-Gruppe in Wuppertal an.

Nach dem Krieg war er in Düsseldorf an der
Organisierung von Streiks beteiligt und wurde wegen wilder Streiktätigkeit aus der Gewerkschaft ausgeschlossen.

Seit Dieter Nelles und Uli Klan ihn Mitte der
Achtziger Jahre durch die Arbeit an ihrer Diplomarbeit kennen gelernt haben, ist der Kontakt zu Hans Schmitz nie abgebrochen.

Bei vielen Treffen kam die alten AktivistInnen der Wuppertaler Anarchosyndikalisten wieder zusammen.
Mit Hans Schmitz, Hans Saure, Helmut Kirschey, Paula Benner und den anderen GenossInnen wurde der Wuppertaler Anarchosyndikalismus und der
Widerstandskampf gegen die Faschisten ein bischen wieder lebendig.
Hans Schmitz war an vielen Aktionen gegen Nazis beteiligt, und hat viele Male im Autonomen Zentrum und anderswo sein Leben geschildert und mit jungen
AntifaschistInnen diskutiert. Er war zusammen mit Freunden auf den Sentieri Partigani in Reggio Emilia auf den Spuren der italienischen Partisanen, er war
mit dabei, als die Faschisten unsere Gedenkfeier 2000 am Kemna-Mahnmal überfielen. Zuletzt hat er im September 2002 an der Demo gegen den ersten
Naziaufmarsch nach dem Krieg in Wuppertal teilgenommen.
Hans Schmitz Erinnerungen „Umsonst is dat nie“ (Grafenau 2002) und der Film gleichen Titels können die Erinnerung an Hans Schmitz wachhalten.

Mit Hans Schmitz verlieren wir Autonome aus Wuppertal einen wichtigen Genossen und Zeitzeugen.