Zum Tod von Paul Michalowicz

Unser Genosse und Freund, der Hagener Kommunist Paul Michalowicz ist in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, im Alter von 79 Jahren verstorben. Im Folgenden findet ihr eine Veröffentlichung seiner Freunde, im Anhang einen Zeitungsartikel der Westfälischen Rundschau.
Paul Michalowicz war Kommunist, Gewerkschafter, Antifaschist. Er starb in den Vorbereitungen der Aktivitäten zum 60. Jahrestags der Befreiung Hagens vom Faschismus völlig unerwartet.
Nach seinem Austritt aus der DKP Ende der 80er Jahre war Paul war unter anderem im Autonomen Zentrum Wuppertal und in der Antifa Hagen aktiv. Auf vielen linken Demos in NRW trat er als Redner auf, zuletzt beteiligte er sich u.a. in der bundesweiten Kampagne „Agenturschluss“.
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Da war nicht viel, wovor er Respekt hatte – am wenigsten vor seinem zunehmenden Alter und seiner zunehmend angegriffenen Gesundheit. Gar keinen Respekt hatte er vor Obrigkeiten und Machthabern. Paul Michalowicz ist tot – und mit ihm starb einer der letzten aufrechten, niemals gebeugten Klassenkämpfer. Eine unanfechtbare Respektsperson für die Anleitung suchende Linke, der personifizierte Schrecken für das satte, gedankenlose Bürgertum, der erklärte Feind aller menschenverachtenden Umtriebe.

„Paul ist da“ – dann war alles gut. Die Demo wurde ein Erfolg. Dann konnte das Megaphon ausfallen, dann konnte die Lautsprecheranlage kaputt gehen.
Paul machte sein Wort. Laut, sehr laut – für viele zu laut sagte, rief und schrie Paul Unangenehmes, nämlich Wahrheiten. Das Leise, Unaufgeregte, das vorsichtige Taktieren, das Kompromisse Eingehen – das war nicht sein Ding.
Paul marschierte manches Mal vor die Wand, aber manche Wand aus Ignoranz und Gleichgültigkeit, aus Dummheit und profitgeilem Kalkül hat er eingerannt.

Von der Jugend an Kommunist und damit verfolgt und verleumdet bis zum letzten Atemzug, und stolz darauf – verstellt hat sich Paul nie. Das hatte er im Gegensatz zu manchem anderen selbsterklärten Linken, zu allen Salon-Revolutionären nicht nötig. Er hatte sein Bewusstsein, seine Meinung, er hatte seine Erfahrung – daraus resultierte sein Auftrag: Solidarität mit denen, die sich nicht so frei und frech gegen Unterdrückung und Bevormundung wehren konnten wie er. Krieg gegen den Faschismus und Nationalismus, Kampf dem Rassismus und Kapitalismus.

Paul hat schon Flugblätter gegen den die Menschlichkeit erstickenden,
weltumklammernden Imperialismus verteilt, als die Eltern seiner letzten
Mitstreiter noch nicht geboren waren. Er hat die Nazi-Gräuel als schon
politisch denkender junger Mensch miterlebt und hatte damit das Mandat, in Frieden alt gewordene NS-Verbrecher zu jagen und gestrig-geifernde Neo-Nazis zu verfolgen. Als streitbarer Gewerkschafter hat er einstecken müssen, fand sich oft allein gelassen und ungehört, bestenfalls an- und manchmal sogar ausgelacht. Aber Paul hat niemals aufgehört, seine Ideale auch zu leben: Wenn irgendjemand das Recht hat, sich demokratischer Sozialist nennen zu dürfen, dann Paul Michalowicz.

Statt eigenbrötlerisch zu werden und zu resignieren in Zeiten, in denen für seinen Sozialismus immer weniger Platz auf der Welt zu sein scheint, hört Paul nicht auf, Andere zu motivieren, immer wieder zum Kampf, zum Auflehnen, zum Demonstrieren und Solidarisieren aufzustacheln. Paul starb sozusagen „in vollem Lauf“, mitten in der Arbeit an seinen Zielen. Wer mit Paul Michalowicz gearbeitet, gestritten und an seiner Seite gekämpft hat, muss stolz darauf sein. Und muss weiterkämpfen, für Paul und seine Ideale. Für die Solidarität. Wir haben ein Vorbild.

Hagen, 8. April 2005

Seine Freunde

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WR-Artikel

Paul Michalowicz ist tot

Hagen. Die Nachricht macht viele Menschen traurig – inklusive der WR-Redaktion: Paul Michalowicz ist tot. Er starb in der Nacht zu gestern im Alter von 79 Jahren.

Buchstäblich bis zum letzten Moment seines Lebens setzte er sich für Gerechtigkeit, Frieden und gegen Faschismus ein. Die Einladung zur Gedenkveranstaltung für die in der Donnerkuhle ermordeten Menschen am nächsten Dienstag trägt seine Unterschrift.

Streitlustig im positiven Sinne war er. Wenn er eine Meinung hatte – und das war eigentlich immer der Fall – dann sagte er sie auch und stand dazu. Seine Stimme brauchte kein Megaphon, sie war erprobt von ungezählten Demonstrationen und Mahnwachen.

Seine politischen Wurzeln hat er im tieflinken Lager und in der Arbeiterbewegung rund um die Hasper Hütte. Von der KPD wechselte er zur DKP, befürwortete auch die Politik der DDR – korrigierte sich jedoch, nachdem 1989 das System dieses Überwachungsstaates offensichtlich wurde. Er war Mitorganisator der ersten Friedensmärsche und einer ihrer treusten Teilnehmer.

In den 70-er Jahren wurde er Betriebsratsvorsitzender des Schrauben-Großhandels Kuhlhoff & Fressel. In der Wehringhauser Szene war er als Antifaschist eine feste Größe. Ebenso auf der WR-Leserbriefseite. Auch wer seine Meinung nicht teilte, muss seine Gradlinigkeit und Ehrlichkeit bewundern.

07.04.2005